Die an ihrer lieblosen Ehe verzweifelnde Giuliana findet nach einem Suizidversuch und Krankenhausaufenthalt nicht wieder in ihr alltägliches Leben zurück. Der Umgebung, wie sie sie wahrnimmt, wurde jegliches Leben ausgetrieben. Sie besteht aus kalten Innenräumen bzw. zerstörten oder zerstörenden Industrieanlagen. Giulianas Eindrücke verwandeln sich in apokalyptische Visionen des Verfalls.
Michelangelo Antonionis vierter Film mit Monica Vitti nimmt Themen und Motive früherer Filme auf, radikalisiert sie aber in neuen Formen. Für sein Farbfilmdebüt ließ er Häuser neu streichen und das Gras in einen anderen Grünton färben. Eine komplexe Farbdramaturgie, gebrochenes Licht und vor allem die intensiven Rottöne bilden die farbliche Textur für diese Studie über Wahrnehmungsverschiebungen und Realitätsverlust.
Wiederaufführung in restaurierter und digitalisierter Fassung durch CSC-Cineteca Nazionale, Istituto Luce – Cinecittà
»Die italienische Schauspielerin Monica Vitti hat einen neuen Typus der Kinoheldin erfunden: modern, kühl, den Männern weit voraus.« (Feuilleton der FAZ zu ihrem 90. Geburtstag)
Frauen in der Lebenskrise und Frauen mit übersprühendem Temperament waren die Pole, zwischen denen sich das Schaffen von Monica Vitti bewegte. Sie wurde 1931 in Rom geboren und war bereits eine anerkannte Bühnenschauspielerin, als sie von Michelangelo Antonioni entdeckt wurde.
Dank ihrer Rollen in Antonionis Meisterwerken »L’avventura«, »La notte« mit Marcello Mastroianni und Jeanne Moreau, »L’eclisse« (auch unter dem Titel »Liebe 1962« bekannt) mit Alain Delon wurde sie international bekannt und avancierte zu einer der großen europäischen Kino-Ikonen.
1964 arbeitete Vitti schließlich noch einmal mit Antonioni für seinen ersten Farbfilm – »Il deserto rosso« – zusammen. Diesmal stand sie mit Richard Harris vor der Kamera.
Es folgten viele weitere Produktionen mit bekannten Regisseuren, etwa 1970 mit Ettore Scola für die Komödie »Dramma della gelosia« zusammen mit Marcello Mastroianni und Giancarlo Giannini oder 1974 mit Luis Buñuel für dessen surrealistische Groteske »Das Gespenst der Freiheit«.
Monica Vitti erhielt bei der Berlinale 1984 den Silbernen Bären für ihre herausragende Einzelleistung in dem Film »Flirt«. 1995 wurde ihr beim Filmfest in Venedig der Goldene Löwe für ihr Lebenswerk verliehen.
Im Februar 2022 starb Monica Vitti in Rom. Am 3. November wäre sie 91 Jahre alt geworden.