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Der Berliner Regisseur und Kameramann Gerd Conradt gehört als Autor von Filmporträts sowie zahlreicher Dokumentar- und Experimentalfilme zu den Pionieren politisch engagierter Filmkunst.
An drei Terminen zeigt Gerd Conradt – in seiner Rolle als Dr. Vertov – jeweils drei seiner Kurzfilme. Er spricht über deren Entstehung und gibt Ratschläge für diejenigen, die zum Film wollen.
Film als Beruf, Hand- und Kunstwerk – Dokumentar- oder Fictionfilm. Drehbuch, Regie, Kamera, Ton, Montage, Produktion – was soll es werden?
Gerd Conradts Filme bewegen sich im dokumentarischen Raum zwischen Konzeptkunst und Minimal-Art, oft in einer Einstellung als Plansequenz gedreht wie bei »Fredric Rzewski ißt Spagetti…« (Rom 1966).
In »Santa Lucia« (1967) seinem erstem dffb-Film, illustrieren seine Freunde ein Gedicht von Konrad Bayer. In »Farbtest – Rote Fahne« (1968) rennen junge Männer, zu einer Stafette geordnet, mit einer roten Fahne ins Schöneberger Rathaus und hissen diese auf dem Balkon, von dem Kennedy ausrief: Ich bin ein Berliner. Vom Farbtestfilm gibt es vier Remakes (Berlin, Stockholm, Sulmona, Hongkong), aus deren Montage entsteht »Farbtest.6« (2008). Über seinen Freund Frederic Rzewski montiert er für das Kunstfest Weimar »Turn Your Eyes to the Present« (2015). In »Ein-Blick« (1986) schaut er mit einer Kamera 12 Stunden aus einem Fenster in West-Berlin zu einem Haus nach Ost-Berlin und macht pro Sekunde ein Bild. Zwischen den Häusern steht die Mauer.
In Zusammenarbeit mit der Initiative zur Aufklärung des Bankenskandals entsteht »Rettet Berlin« (2003) ein Poesie-Video nach dem Gedicht »Der Schatzgräber« von J.W.Goethe. Als radikaler Wahrheitssucher dreht er im Ashram von Poona »The Empty Chair« (1995). Im in Nordkorea gedrehten Video »Arirang – Letter to Barack« (2010) setzt er sich für das weltweite Verbot von Atomwaffen ein.