Das Programmkino im Prenzlauer Berg.

Kastanienallee 77, Tel. 030 - 44 05 81 79

Termine + Tickets

Filmreihe

Dokumente des Alltags – Filme über das Ostdeutschland der 1990er Jahre

Werkschau Detlef Gumm & Hans-Georg Ullrich

Doppel-Feature:

Fotos für die Ewigkeit
+ Noch mal davongekommen

Samstag, 19. September, ab 17:30 Uhr

zu Gast: Regisseure Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich, Moderation: Florian Wüst

17:30 Uhr

Fotos für die Ewigkeit

D 1995/96, 90 min, Regie: Hans-Georg Ullrich und Detlef Gumm, mit dem Fotografen Konrad Hoffmeister

Fotos für die Ewigkeit
© Känguruh-Film

Der Film beschreibt die ganz persönliche Sichtweise von acht Menschen zu dem Land, in dem sie leben.

Rund um den Berliner Alexanderplatz wohnen und arbeiten die Protagonisten. Ihre Lebensgeschichten und Alltagserlebnisse stehen stellvertretend für die Situation verschiedener deutscher Bürger Mitte der 90er Jahre. In einer Zeit, in der in den Zeitungen viel von Arbeitslosigkeit, Armut, Solidaritätszuschlag zu lesen ist, und von der Öffnung nach Osten, dem Aufbruch aus einer dunklen deutschen Vergangenheit in eine hell erleuchtete Ära nach der Wiedervereinigung.

Was denken ganz unterschiedliche Deutsche über ihr Land? Wie leben sie hier und was erwarten sie noch vom Leben? Wäre ihr Leben in einem anderen Land oder Staat ganz anders verlaufen? Dies sind nur einige Fragen, die im Film gestellt werden.

Die acht Protagonisten lernen den Fotografen Konrad Hoffmeister kennen, dessen Lebenswerk es ist, Menschen mit ihren Ansichten zu Deutschland zu porträtieren. Er bittet seine Modelle, zwei oder drei Sätze zu Deutschland auf einem Pappschild zu formulieren. Im Film werden die Menschen in sein Foto-Atelier begleitet und der Prozeß der Meinungsbildung dokumentiert.

Zusammen mit den Alltagsbeschreibungen entstand so ein Film, der sich auf die Suche nach einer deutschen Identität macht. Ein Film über Gefühle, Stimmungen im Zusammentreffen zwischen Ost und West.

19:30 Uhr

Noch mal davongekommen

D 1997/98, 90 min, Regie: Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich

Noch mal davongekommen (© Känguruh-Film)
© Känguruh-Film

Uwe Scheddin ist am schönen Seddiner See, 20 km südlich von Berlin geboren. Lange lebt er in »wilder Ehe« mit Frau und deren Kindern zusammen in Berlin-Mitte, bis eine gemeinsame Tochter dazukommt. Seine Frau, eine selbstbewußte Partnerin, macht ihm das Leben nicht gerade leicht. So wirft ihm vor, ein Chaot zu sein.

Nach seinem Studienzeit wird er Dramaturg am Potsdamer Kabarett und textet Programme. Der Jugend ist er überzeugter FDJ-Sekretär, später Parteimitglied, will sich aber nie bevormunden lassen. Nach vielen Querelen mit der Parteiführung wird Uwe Scheddin nach der Wende Kleinunternehmer.

Er besinnt sich auf seine schauspielerischen und sprachlichen Fähigkeiten und veranstaltet Stadt- und Landausflüge zu ungewöhnlichen Schauplätzen. Seine Kunden sind hauptsächlich Frauen aus dem Bildungsbürgertum. Zu oft ist er an Wochenenden unterwegs. Dies führt oft zu Konflikten mit seiner Familie. Ein unruhiger Mensch, umtriebig, immer auf der Suche nach Neuem, ein Hans-Dampf in allen Gassen.

Er ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen, unbekannten Orten der Geschichte rund um Berlin, er fahndet auch in seiner eigenen Geschichte: viele alte Freunde von damals sind in den Westen abgehauen. Jetzt will er sich mit ihnen auseinandersetzen und nach »dunklen Punkten« seiner eigenen FDJ-Vergangenheit suchen. Nach langer Wartezeit sichtet er seine Akten bei der Gauck-Behörde. Er ist überrascht, wie er als einstiger »Genosse« von der Staatssicherheit eingeschätzt und bespitzelt wurde.

Uwe Scheddin, geboren und aufgewachsen im Kalten Krieg, Student und Parteigänger in der DDR, nach der Wende selbständiger Kleinunternehmer mit eigenem Weg im wiedervereinten Deutschland, ist noch mal davon gekommen…

»Noch mal davongekommen« ist der dritte Film einer Reihe von Hans-Georg Ullrich und Detlef Gumm über Deutsche in Ost und West nach der Wende. 1993 entstand »Das Fremde«, 1995 der Film »Fotos für die Ewigkeit«.

Double Feature – Eintritt für beide Filme: 15 €.
Mit Gesprächen im Anschluss an die jeweiligen Filme und einer Pause dazwischen.

Sa
19.09.
17:30
zu Gast: Regisseure Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich, Moderation: Florian Wüst
Tickets

Dokumente des Alltags – Filme über das Ostdeutschland der 1990er Jahre

Werkschau Detlef Gumm & Hans-Georg Ullrich

initiiert von Florian Wüst

12., 13. und 19. September

mit Gästen

Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich
© Ingeborg Ullrich
Hans-Georg Ullrich und Detlef Gumm

Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich begegnen ihren Protagonist*innen auf Augenhöhe und mit großer Sensibilität. Ihre Filme sind von einer behutsamen Erzählweise, einem sparsamen, unaufgeregten Off-Kommentar, aufmerksamen Zuhören und präziser Beobachtung geprägt.

Ihre bekannteste Arbeit ist ihre legendäre Langzeitbeobachtung »Berlin – Ecke Bundesplatz«, ein einmaliges Projekt in der deutschen Fernsehgeschichte. Von 1986 bis 2012 porträtierten sie – nach dem Vorbild von Agnès Vardas »Daguerreotypen – Leute aus meiner Straße« (F 1975) – Menschen aus ihrer Nachbarschaft in Berlin-Wilmersdorf und begleiteten sie durch ihren Alltag.

Detlef Gumm wurde 1947 in Ludwigshafen geboren und studierte in West-Berlin Publizistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte.
Hans-Georg Ullrich, geboren 1942 in Magdeburg, absolvierte eine Fachhochschulausbildung als Fotograf und verbrachte eine Assistenzzeit beim US-Fernsehsender CBS. Ab 1965 drehte er als Regisseur und Kameramann Kurzfilme, darunter eine Arbeit für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Osaka 1969 sowie preisgekrönte Industriefilme.
Seit 1972 arbeiten Hans-Georg Ullrich und Detlef Gumm zusammen.

In mehr als 40 Jahren im Film– und Fernsehgeschäft sind gut 120 Filme entstanden, in denen Gumm und Ulrich die alte und die neue Bundesrepublik mit ihren vielfach preisgekrönten Filmen nicht nur dokumentiert oder gar vermessen, sondern vor allem den Alltag der Menschen emotional erschlossen haben.

Ihre erste gemeinsame Arbeit ist ein Fünfminüter für das Kinderprogramm der ARD mit dem prägnanten Titel »Wo Scheiße hinfließt«. 1976 gründeten sie die Produktionsfirma Känguruh-Film, um eigene Dokumentarfilme unabhängig produzieren zu können. Ab den 1980er-Jahren produzierten sie auch dokumentarische und fiktionale Filme anderer Regisseure, u.a. »Du mich auch« (1986) von Dani Levy und Helmut Berger und »Mein Krieg« (1989) von Harriet Eder und Thomas Kufus.

Neben zahlreichen Kinderfilmen, die keine Altersgrenze kennen, sowie kürzeren Formaten für das Vorabendprogramm, entstanden ab Ende der 1970er-Jahre auch abendfüllende Regiearbeiten von Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich.

Ihre Regiearbeiten wurden u.a. ausgezeichnet mit dem Adolf-Grimme-Preis, dem »Goldenen Spatz« beim Kinderfilmfestival in Gera, dem Preis der Film und Fernsehschaffenden der DDR, dem Preis des Festivals in Tomar, Portugal, dem Deutschen Videopreis sowie dem Preis des Zweiten Europäischen Umwelt-Filmfestival Rotterdam, dem Stern des Jahres der AZ-München, mit der Bürgermedaille Charlottenburg-Wilmersdorf und dem Deutschen Fernsehpreis.

Die vier in dieser Werkschau gezeigten Filme gehören zu den wichtigsten eigenständigen Dokumentar-Abeiten des Regie-Duos Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich. Sie entstanden in den Jahren unmittelbar nach der deutschen Wiedervereinigung und zeichnen sich durch ihren beobachtenden, menschenzentrierten Dokumentarstil aus.

In Kooperation mit docfilm42 / Docs on Tour.
Gefördert von Medienboard Berlin-Brandenburg.
 

Fr 11.09.

keine Vorstellung

Fr 18.09.

keine Vorstellung

Fr 25.09.

keine Vorstellung
Ausblick:
Oktober