Das Programmkino im Prenzlauer Berg.

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Special

Christoph Schlingensief Geburtstags-Special

Ausländer raus!
Schlingensiefs Container (OmeU)

Österreich 2002, 90 min, Buch & Regie: Paul Poet, mit: Luc Bondy, Daniel Cohn-Bendit, Einstürzende Neubauten, Sven Gächter, Familie Garzaner, Katharina Gruber, Gregor Gysi, Carl Hegemann, Elfriede Jelinek, Gabriele Kaiba, Claudia Kaloff, Dietrich Kuhlbrodt, Rainer Laux u.a.

Ausländer raus! – Schlingensiefs Container
© filmgalerie 451 / Paul Poet

Österreich im Jahr 2000: Mit der Partei FPÖ unter Jörg Haider wurde das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg eine extrem rechts stehende Partei an der Regierung beteiligt. Kurz danach zeigt der deutsche »Artist Provokateure« Christoph Schlingensief eine einzigartige Form des Protests: Er inszenierte ein interaktives Konzentrationslager im touristischen Zentrum Wiens. Eine greifbar gemachte Satire auf Fremdenhass, Big Brother-Spielchen und neuen Nationalismus.


Christoph Schlingensief verwirklichte für eine Woche mitten im touristischen Zentrum von Wien eine Angstvision: Ein Abschiebecontainer für Asylanten, interaktiv beeinflußbar, rund um die Uhr beschallt mit rassistischen Ansprachen der FPÖ-Erfolgsfigur Jörg Haider und beklebt mit dessen fremdenfeindlichen Wahlplakaten. Tausende Passanten erregten sich vor Ort und wurden so zu Mitspielern in Schlingensiefs Inszenierung. Ein Scheinstück, das »das neue Europa« aufwiegelte und das »schwarze EU-Schaf« Österreich im Besonderen.

Im Rahmen der Wiener Festwochen ließ Christoph Schlingensief den Wohncontainer mit 12 Asylanten direkt vor die Oper stellen. Unter dem Motto »Ausländer raus!« konnte täglich per Zuschauerabstimmung im Internet ein Bewohner »abgeschoben« werden. In Form der damals viel diskutierten medialen Perversion eines Überwachungs-Containers im Stil von »Big Brother« sollte die Weltöffentlichkeit mit der global verstärkt auftauchenden neuen Rechts-Lastigkeit konfrontiert werden. Die künstlerische Form der Aktion war dazu genauso wirksam wie die Platzierung in Österreich als dem Land, in dem als erstes seit dem Zweiten Weltkrieg eine extrem rechts stehende Partei an der Regierung beteiligt wurde.

Die Folgen der Aktion bestärkten und überraschten Schlingensief: Es kam zu hitzigen politischen Debatten, offenen Anfeindungen, lautstarken Demonstrationen und permanenten Attacken durch rechte wie linke Gruppierungen bis hin zu versuchter Brandlegung und der Erstürmung des Containers. Währenddessen beteiligten sich annähernd eine Million User im Internet an den Abstimmungen und angegriffene FPÖ-Politiker sowie die Kronen Zeitung reichten eine Flut von Klagen ein.

Paul Poet begleitet in seinem Dokumentarfilm das Geschehen vom ersten bis zum letzten Tag und stützt sich dabei auf fast 100 Stunden Originalmaterial. Außerdem kommen in rückschauenden Kommentaren Gestalter, Freunde und Feinde der Aktion zu Wort: Schlingensief selbst, seine Managerin Claudia Kaloff, Dramaturg Matthias Lilienthal, Festwochen-Leiter Luc Bondy, Kulturphilosophen wie Burghart Schmidt oder Peter Sloterdijk, Politiker wie Bezirksvorsteher Richard Schmitz (ÖVP) oder Helene Partik-Pablé von der FPÖ und Gäste wie Daniel Cohn-Bendit, Elfriede Jelinek, Gregor Gysi, Josef Bierbichler oder Paulus Manker.

Sa
24.10.
18:30
OmeU
Tickets

Christoph Schlingensief Geburtstags-Special

Samstag, 24. Oktober, ab 16:15 Uhr

Christoph Schlingensief

Christoph Schlingensief wurde am 24. Oktober 1960 in Oberhausen geboren. Zu seinem 66. Geburtstag feiern wir ihn und sein vielseitiges künstlerisches Werk mit einem ganzen Tag im Lichtblick-Kino – mit Dokumentarfilmen, einem Spielfilm und der Aufzeichnung einer seiner Kunstaktionen.

Mit Filmen wie »Das deutsche Kettensägenmassaker« und »Terror 2000«, Kunstinstallationen, Ausstellungen und aktionistischen Projekten – darunter die Container-Aktion »Bitte liebt Österreich!« und die Parteigründung »Chance 2000« – prägte er über zwei Jahrzehnte den kulturellen und politischen Diskurs. Außerdem realisierte er vielbeachtete Theater- und Operninszenierungen, unter anderem an der Volksbühne, dem Wiener Burgtheater und dem Schauspielhaus Zürich.

Zu seinen Höhepunkten zählen Wagners »Parsifal« in Bayreuth (2004–2007) und »Der fliegende Holländer« 2007 in der legendären Oper von Manaus. Große Aufmerksamkeit erhielt auch sein 2009 erschienenes Krebs-Tagebuch »So schön wie hier kann’s im Himmel gar nicht sein!«.
Zu seinen letzten Projekten gehörte die Einrichtung des Deutschen Pavillons der Biennale in Venedig 2011, für den er posthum mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde.

Am 21. August 2010 verstarb Christoph Schlingensief viel zu früh.

Ein Teil der Einnahmen geht an das Operndorf Afrika.

Mit freundlicher Unterstützung der Filmgalerie 451.
 

Fr 16.10.

keine Vorstellung

Fr 23.10.

keine Vorstellung