Ein Sommer der Unschuld endet abrupt. Der 13-jährige Daniel wird aus seinem behüteten Landleben in die Enge der Stadt gerissen und in die Härte der Erwachsenenwelt gestoßen. Statt Schule und Freundschaften bestimmen Arbeit, soziale Kälte und erste Auseinandersetzungen mit Sexualität seinen Alltag. Als Teil von Jean Eustaches autobiografisch geprägtem Kino verdichtet der Film persönliche Erinnerungen zu einem beobachtenden Blick auf das Erwachsenwerden und eine Jugend, die verschwindet, bevor sie sich entwickeln kann.
Jean Eustache, ausgebildeter Elektriker und Autodidakt, war als Arbeiter-Kind eine Ausnahmefigur der ansonsten bourgeoisen Nouvelle Vague. Fast autobiografisch spiegelt sich sein Leben auch in seinen Filmen wieder. Mit präziser Aufmerksamkeit für Sprache, Gesten und soziale Wirklichkeiten bewegt sich Eustaches Kino in einem Raum dokumentarischer Fiktion. Neben zahlreichen Kurz- und mittellangen Filmen umfasst Eustaches Hauptwerk seine beiden Langspielfilme »La maman et la putain« und »Mes petites amoureuses«.
RE:VISITED ist eine neue Reihe, mit der der Verleih Grandfilm filmhistorisch bedeutende Werke des internationalen Autoren- und Independent-Kinos in restaurierten Fassungen neu erlebbar macht. Im Fokus stehen Filme, die das Denken ihrer Zeit geprägt haben, lange nur einem Spezialpublikum zugänglich waren und nun wiederentdeckt werden: als lebendiges filmkulturelles Erbe und Ausgangspunkt für aktuelle Kinoerfahrungen und Diskussionen.