Der Film von Lana Daher gleitet spielerisch und individuell durch das audiovisuelle Gedächtnis des Libanon. Ein Liebesbrief aus Archivmaterial an Beirut: 70 Jahre Film, Fernsehen, Heimvideos und Fotografie gewähren einen Blick in die kollektive Psyche der Libanesen, gekennzeichnet von Freude und Intimität, Zerstörung und Verlust.
So rekonstruiert der Film aus der Perspektive von Bürger*innen, Filmemache*innen und Künstler*innen eine fragmentierte Geschichte in einem Land ohne nationales Archiv und feiert den kreativen Ausdruck als Widerstand, Erneuerung und Möglichkeit, Erinnerungen zu bewahren.
Regisseurin Lana Daher über ihren Film:
»Ich wurde 1983 geboren, mitten im libanesischen Bürgerkrieg. Die Zyklen aus Aggression und angespannter Ruhe, die meine Kindheit geprägt haben, existieren noch heute. Ich habe endlose Konfliktwellen durchlebt, die sich auch auf die Generationen vor und nach mir ausgewirkt haben.
Krieg und Konflikte sind allgegenwärtig, aber sie definieren den Libanon nicht. Das Leben in Beirut lässt sich nicht auf Gewalt reduzieren; es ist auch gekennzeichnet von Freude, Kreativität und einer tiefen Lebenskraft.
In unseren Schulen gibt es keine einheitlichen Geschichtsbücher, und unsere Vergangenheit bleibt im öffentlichen Leben unerwähnt. Diese Leerstelle hat mich dazu bewegt, zu sammeln, zu hören und in den Archiven zu forschen, um die Vergangenheit und die Gegenwart in der wir leben, besser zu verstehen.
Beirut ist meine Heimat. Eine Stadt, die zwischen Gewalt und Durchhaltevermögen, Zerbrechlichkeit und Erneuerung schwebt und ein starkes Gefühl von Identität und Beharrlichkeit ausstrahlt, aber auch eine tiefe Verletzlichkeit. Hier zu leben bedeutet, sich wieder und wieder zwischen Extremen zurechtzufinden.
»Do You Love Me« ist eine Reflexion über das heutige Beirut. Ich möchte durch die neue Interpretation von Filmausschnitten, Liedern und Fotografien die vielschichtige Realität dieser Stadt – ihre Erinnerungen, ihren Widerstand, ihre Zärtlichkeit – herausarbeiten und diesen Bildern neues Leben einhauchen, um so einen Raum zum Erkunden, Erinnern und Fühlen zu schaffen.«