»Wir wollten was tun. Wir wollten zeigen wir leben noch, wir sind noch da!«
Ein biographisches Interview mit dem jüdischen kommunistischen Widerstandskämpfer und späteren Bürgermeister Treptows Walter Sack (geb. 26.12.1915 in Berlin; gest. am 29.4.2008 in Berlin) über den Widerstand gegen den Faschismus in Berlin, das Exil in Schweden und darüber, was Antifaschismus heute bedeutet. Walter Sack ist ein mitreißender, witziger Erzähler, ein Chronist des jugendlichen, sozialistischen jüdischen Widerstands in Kreuzberg und Berlin in der NS-Zeit.
1915 in einer jüdischen Familie in Berlin-Kreuzberg geboren, prägte das sozialdemokratisch gesinnte Elternhaus den Heranwachsenden. Im Gymnasium musste er in der letzten Reihe sitzen – auf der »Judenbank«. 15-jährig wurde er Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und im Ring-Bund Deutsch-Jüdischer Jugend, wo er Herbert Baum vom Kommunistischen Jugendverband kennenlernte. In dessen jüdischer Widerstandsgruppe wirkte er bis 1939, bis zur Emigration nach Schweden. Versuche, die Eltern nachzuholen, misslangen; sie wurden in Auschwitz Opfer der faschistischen Judenverfolgung.
Walter Sack überlebte, kehrte nach Deutschland zurück und war 1967–1974 Bezirksbürgermeister von Berlin Treptow. Ab 1988 leitete er die »Arbeitsgruppe Herbert Baum« beim Bezirkskomitee Berlin der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR und führte dies im Rahmen der VVN-BdA weiter.