Als junger Fotograf porträtierte Sven Marquardt unübertroffen die Ostberliner Prenzlauer-Berg-Bohemè in gotischem schwarz/weiß. Nach dem Mauerfall legt er ein paar Jahre die Kamera bei Seite und taucht ins Nachtleben ab. Sein Charisma und die Arbeit an der Tür des Berghain, das in der internationalen Clubszene Kult-Status erlangt, machen ihn weltberühmt. Aber auch die Fotografie lässt ihn nicht los. Mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten erlangt er nun ebenfalls Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie bei Tageslicht entstehen. Die Porträts seiner DJs, Musiker, Türsteherkollegen sind erotisch, lässig, schmutzig und existenziell.
Neben Sven Marquardt begegnet Regisseurin Annekatrin Hendel in ihrem wieder sehr persönlichen Film, auch zwei seiner Modelle und Weggefährten aus der Ostberliner Punk-Zeit: Dominique „Dome“ Hollenstein, der „Marilyn des New Wave“ und Robert Paris, ebenfalls Fotograf.
Der Film begegnet drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend im Osten, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Sie lebten im Jetzt – und tun das noch immer. Sie sind sich über die Zeit in ihrem Anderssein treu geblieben – und auch der Film bleibt sich treu. Er ist auch die Liebeserklärung an eine im ständigen Wandel befindlichen Stadt. Ob es sich dabei um Robert Paris` legendäre Ostberlin-Ansichten handelt oder um den Charme eines der letzten unsanierten Hinterhäuser, das Dome, wie eine märchenhaften Puppenstube, heute noch bewohnt.
»Schönheit & Vergänglichkeit« erzählt nicht nur die Geschichte von der unbedingten Sehnsucht nach Individualität und Rebellion, sondern auch vom Älterwerden, von Freundschaft und Liebe. Und was Veränderung bedeuten kann, welche Chancen und Kräfte, nach einem anfänglichen spürbaren Verlust der eigenen Identität, freigesetzt werden können.
Uraufführung zur 69. Berlinale 2019, Berlinale Panorama
Heiner-Carow-Preis der 69. Berlinale für Annekatrin Hendel
Weltpremiere bei Hot Docs – International Documentary Filmfestival
